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Profifußballvereine aufgepasst!

16. August 2015

Das Finanzgericht Düsseldorf hat mit Urteil vom 27.04.2015 zum Geschäftszeichen 1 K 3636/13 U unter Berücksichtigung des Bundesfinanzhof-Urteils vom 28.08.2013 zum Geschäftszeichen XI R 4/11 den Vorsteuerabzug aus Rechnungen von Spielervermittlern in einigen Fällen versagt. Diese Rechtsprechung und die sich abzeichnende Finanzverwaltungspraxis können bei den Vereinen zu erheblichen Umsatzsteuernachforderungen führen.

Nach § 15 Abs. 1 UStG ist ein Unternehmer zum Vorsteuerabzug aus Eingangsleistungen berechtigt, wenn die Leistungen für sein Unternehmen ausgeführt worden sind. Ein Profifußballverein ist daher aus ihm vom Spielervermittler erteilten Rechnungen zum Vorsteuerabzug nur berechtigt, wenn er (und nicht der Spieler) Empfänger der in Rechnung gestellten Leistung ist. Sofern keine oder nur unzureichende schriftliche Leistungsvereinbarungen zwischen Spielervermittlern und Vereinen vorliegen, wird die Finanzverwaltung zur Beurteilung der Rechtslage im Einzelfall auf die tatsächlichen Leistungsbeziehungen zwischen Spieler, Spielervermittler und Verein abstellen.

In dem oben genannten Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf wurde u.a. bereits entschieden, dass Familienangehörige, wie der Vater eines Spielers, oder Dienstleister, wie der Rechtsanwalt eines Spielers, nur als Berater oder Vertreter des Spielers tätig geworden sind, und der Verein weder Maklerdienstleistungen nachgefragt oder erhalten habe, und somit der Vorsteuerabzug für den Verein zu versagen ist.

Um sicherzustellen, dass der Verein als Leistungsempfänger anzusehen ist, sollte der Verein in jedem Fall den Spielervermittler als Makler beauftragen. Solche schriftlichen Vereinbarungen waren bisher schwer zu widerlegen. In der Praxis gibt es jedoch vereinzelt aber zunehmend Tendenzen, wo Betriebsprüfer schon beanstandet haben, dass vorgelegte Vereinbarungen nicht mit den tatsächlichen Abläufen in der Profifußballbranche übereinstimmen, sodass den Vereinen der Vorsteuerabzug aus Rechnungen der Spielervermittler auch bei Vorliegen solcher Vereinbarungen versagt wurde. Aus Gründen der Gleichmäßigkeit der Besteuerung wird die Finanzverwaltung daher gehalten sein, eine einheitliche Besteuerungspraxis sicherzustellen. Es muss verfolgt werden, welche Fallgruppen und Kriterien durch das Bundesministerium für Finanzen demnächst vorgegeben werden.

Kompliziert werden zukünftig die Fälle sein, wo der Spielervermittler nach Meinung der Finanzverwaltung sowohl Leistungen für den Verein, als auch für den Spieler erbringt, da hier dann bei dem Verein die Vorsteuerbeträge in einem abziehbaren und einem nichtabziehbaren Teil aufgeteilt werden sollen. Bis zum Feststehen der Fallgruppen und Kriterien sollte zumindest das zugrundeliegende Schuldverhältnis zwischen Verein und Spielervermittler durch eine schriftliche aktive Auftragserteilung seitens des Vereins an den Spielervermittler nachweisbar geprägt sein. Weiter wird entscheidend sein, wer mit wem in Leistungsbeziehungen tritt sowie die Art der Leistungen, also ob Makler- und/oder Beratungsleistungen erbracht werden.

Wir behalten die Rechtsprechung im Auge und helfen Vereinen und Spielervermittlern bei dem Abschluss von nicht zu beanstandenden Verträgen und Abrechnungen gern.

Bisher haben Spielervermittler zwischen 5 – 15 % des künftigen Jahresbruttogehaltes des Spielers vom aufnehmenden Verein erhalten. Das neue FIFA-Spielervermittlungsreglement, das am 01.04.2015 in Kraft getreten ist, empfiehlt unverbindlich, das Vermittlungshonorar auf 3 % des Bruttogehaltes des Spielers zu beschränken. Die Höhe des Honorars ist aber nach wie vor frei verhandelbar. Die unverbindliche Empfehlung hat bisher keine Auswirkungen auf die Praxis. Laut einer Veröffentlichung im Spiegel sollen die deutschen Profifußballvereine in der Spielzeit 2013/2014 Honorar von mehr als 100 Mio. € an Spielervermittler gezahlt haben. Das Thema bleibt also spannend.

Schneehagen
Rechtsanwalt

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